Atmen – einfach nur atmen

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute schreibe ich mal auf Deutsch – einfach, um frischen Wind in die Sache zu bringen. Und um zu schauen, ob ich meine Muttersprache noch ausreichend beherrsche.

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, dass ich 3-4 mal pro Woche ins Fitnessstudio gehen möchte (mit Betonung auf “möchte”) und mir am Wochenende meine Lieblingssportart frei wählen darf – um nicht so streng mit mir selbst zu sein. Das Ganze mache ich zum einen aus Spaß, zum anderen weil ich endlich meine Sportskanonenfigur zurück haben will. Das eigene Selbstbild ist ja doch oft ein anderes als das, was die Außenwelt so wahrnimmt: “Ach was, wo willst du denn abnehmen?” “Du bist doch schon so sportlich”. Glaubt mir, das dachte ich auch… bis ich wieder anfing, richtig zu trainieren. Quasi gestern.

Heute ist Tag zwei und ich hatte bis vor ca. drei Stunden schon keine Lust mehr. Nach einem langen und extrem unproduktiven Arbeitstag, an dem ich an nicht ganz so vielen Oreos einfach nonchalant vorbeihuschen konnte wie ich wollte, nahm ich mir vor, mein Fitnessstudio doch etwas genauer zu betrachten. Von innen.

Ich hatte es gestern schon schleichend versucht, wie sich meinem letzten Beitrag hoffentlich entnehmen ließ. Gestern dachte ich schon, ich kann nicht mehr – die halbe Stunde Sit-ups und Crunches und Arme hinterm Kopf und Bein hoch und wieder zurück- mein Gott, ich bin doch selbst Trainer. Was soll das? Wie kommt mein Körper dazu, einfach zu sagen, dass es jetzt schwieriger ist, wieder zu meiner alten Form zurück zu kehren? Was fällt dem ein? Dem werd ichs zeigen… morgen!

Morgen ist heute. Und nach dem 30- minütigen Core-Training und 5-Kilometer Läufchen gestern, habe ich mich heute an ein weiteres 30- Minute Core-Traning getraut, mit anschließendem einstündigen “Meltdown” – die Kernschmelze. Ich hatte das Gefühl, bei allen anderen ist schon alles weggeschmolzen und ich bin die einzige, die da hinten auf ihrem Bosuball keine 10 Lunges hinbekommt. Ist der Spiegel da vorne eigentlich verzerrt? Kommt mir so vor… Oder ich brauche dringend ein neues Trainingsoutfit.

Bei der gefühlten 20. Halteposition of dem Bosuball brach ich das erste Mal in meinem Leben in einem Fitnessstudio in Tränen aus. Leise und still, aber ich musste mich daran erinnern, dass ich ja an der Veränderung arbeitete. Es bringt ja nichts, jetzt zu heulen und dann rauszugehen. Also Zähne zusammen, Ohren anlegen und durch. Ich habe geschwitzt wie doof, geatmet als bräuchte ich eine zusätzliche Lunge, mein Herz sprang mir völlig außer Atem selbst aus der Brust und würgte mich “Bissu bekloppt?”, “Ich kann nicht mehr”, “Ich will nicht mehr”, “Ich möchte auf mein Sofa”, “Ich will aufn Arm”, “Ich will das jetzt durchziehen”, “Lass die anderen doch laufen, ich lauf da jetzt mit”, “Kann ja nicht angehen. Ich bin Deutsche… Ich bin Maschine. Was sind die? Nichts! Hah! Wär doch gelacht!”

Und so reihte ich mich brav wieder hinten ein und steppte, tanzte, sprang, wechselschritt hinter meinem Vordermann über eine Fitnessleiter am Boden. Immer und immer wieder. Zwischendurch ging es wieder auf den Bosuball, wir nahmen Gewichte auf, machten Ausfallschritte. Mein Herz machte fleißig mit, obwohl es auch keinen Bock mehr hatte. Mein Bauch war glaub ich der einzige, der wollte – er sprang die ganze Zeit so fröhlich auf und ab, das habe ich lange nicht gesehen. Mein Kopf war das größte Problem – die Gedanken ließen sich einfach nicht abschalten.

Das ist aber ok. Es ist schließlich erst Tag 2.

In der Umkleide klatschte mich die Trainerin noch mal mit einem gut gemeinten “Good job” ab, wobei ich nur den Kopf schüttelte und anmerkte, dass es sich anfühle, als würde ich bei Null anfangen. Sie schaute mich an und sagte nur “das war nicht Null. Null wäre wenn dein Magen das nicht mitgemacht hätte und du nach 10 min. aufgehört hättest. Ich hoffe, du kommst wieder”.

Hmmm… vielleicht war es ja doch nicht die schlechteste Idee, meine Motivation in der Gruppe zu suchen. Ich vertraue einfach darauf, dass es an der Gewohnheit liegt und die ersten zwei Wochen, in der der Muskelkater einfach nicht verschwinden will, die schwierigsten sind. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

(#My500Words Day 16)

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2 thoughts on “Atmen – einfach nur atmen

  1. Ich sehe dich förmlich vor mir, wobei ich mir bei aller Fantasie kein Bauchwabbeln bei dir vorstellen kann. Ja, ja, ich weiß…! Super, dass du den inneren Schweinehund überwunden hast. Good Job!

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